Bürgerbus – ein Indiz postkapitalistischer Schizophrenie

Vor einiger Zeit auf dem Weg zum Arbeit ist mir mal wieder ein Bürgerbus aufgefallen. Grundsätzlich ein Indiz mitbürgerlichen Engagements, also gesellschaftlich und ehrenamtlich eine großartige Errungenschaft getragen von sozialen Mitmenschen und unterstützt von den Gemeinden, letztenendes der “kleinen” öffentlichen Hand und dem lokalen Stuerzahler.

So weit so positiv.

Denkt man nur einen Moment drüber nach, geht einem einmal mehr das sprichwörtliche Messer im Sack auf …

Wie Schizophren ist das eigentlich? Der Bürgerbus wird notwendig, weil im ländlichen Raum der öffentliche Personennahverkehr mittlerweile eine Grenzkatastrophe ist. Im angrenzenden Landkreis sind mir Gemeinden bekannt, an denen es für nicht selbst automobile Mitbürger nicht möglich ist eine Erledigung bei ihrer Kreisverwaltung zu machen, ohne eine Übernachtung ein zu planen.

Denke ich an meine Jugendjahre zurück sieht das doch sichtlich anders aus. In meiner Kindheit gab es hierzulande noch Bahnverbindungen. Später zumindest Bus-Linien die den Namen verdienten und die es einem gestatteten vor und zurück in akzeptabler Zeit zu reisen.

Zu dieser Zeit wurde der öffentlich Personennahverkehr noch von einem Staatsunternehmen, der Deutschen Bahn realisiert. Im allgemeinen Provatisierungswaahn hat man diese dann eben privatisiert. Nicht dass die Deutsche Bahn seither konkurrenzfähig, gewinnbringend oder entkrustet worden wäre – nein. Trotz massiver Serviceeinbußen ist sie mit nichten ein florierendes Unternehmen.

Wie auch, zwar politisch kontrolliert, aber eben durch nach wie vor vorhandenen Beamte belastet, nicht wirklichem Wettbewerb unterliegend hat sie eigentlich nur in begrenztem Umfang die Chance sich als privater Champion hervor zu tun und in Folge dessen auch dem Bund entsprechende Einnahmen zu bescheren. De facto wird sie immernoch gefördert und das trotz massiver Einschnitte im Dienst am Bürger.

In den urbanen Zentren fallen diese Einschnitte vielleicht nur durch Unpünktlichkeit oder Schmuddel auf. Weniger mobile Landbewohner wie Jugendliche, ältere Menschen oder Menschen in prekären Lebensverhältnissen jedoch werden hier massiv in ihrer Lebensqualität beschnitten, bzw. es liegen ihnen teils auch massive Steine im weg, an ihren Situationen etwas zu ändern.

Diese Einschnitte oder Benachteiligungen werden jetzt aus dem Engagement der Bürger (zeitlich) und Gemeinden (finanziell) kompensiert – mit anderen Worten auch wieder aus der öffentlichen Hand und dem Steuersäckel getragen, ohne den Privatisierungserlös der Bahn jemals realisiert zu haben.

Welcher volkswirtschaftliche Schaden durch die Erzeugung der Mehraufwände bei den Bürgerbussen entsteht ist vermutlich kaum quantifizierbar, aber mir sind auch keine entsprechenden Untersuchungen bekannt. Das wäre allerdings einmal ausgesprochen interessant zu betrachten.

Denkt doch einfach mal eine Weile drauf rum. In diesem Sinne …

Kyp. F.

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