Urban Mobility- Critical Mass

Ein Freund schubst mich gerade auf Facebook virtuell auf Spiegel Offline, bzw. dessen Post zum aktuellen “Boradway Bomb“. Dieses Fundstück erinnert mich doch sehr an meinen eigenen Ausflug, nach Vancouver und die dortige Gelegenheit bei deren Critical Mass – Friday teil zu nehmen.

cm-vancouverFreunde meinten Seinerzeit, das wäre eine ideale Gelegenheit, die Stadt mal auf eine Weise kennen zu lernen, die doch speziell ist und sonst unmögliche Ein- und Ausblicke liefert. Das war mit Sicherheit der Fall – in jeder nur erdenklichen Hinsicht.

Jetzt ist das – Broadway Bomb genauso wenig wie Critical Mass – ja kein ausschließlich spaßiges Event, sondern Protest gegen einen Wahnsinn, der uns allenthalben auch in Deutschland ereilt.

Die häufige Unvereinbarkeit von einer erstrebenswerten Lebenssituation mit dem Vorhandensein eines erfüllenden anspruchsvollen Job gibt es überall. Für viele Menschen resultiert daraus ein nicht unerheblicher Bedarf zu Pendeln und das führt natürlich am Kondensationspunkt – den urbanen Räumen mit zahlreichen anspruchsvollen Arbeitsplätzen – zum Kollaps mit entsprechend hohen Belastungen. Erschwerend kommt  hinzu, dass viele Menschen, die sich einmal an die Automobilität gewöhnt haben, diese auch in der Freizeit nur ungern wieder ablegen. Und zu allem Überfluss geschieht dies zumindest heute noch zu Lasten der Umwelt.

Dem Gegenüber steht eine Protestbewegung, die nicht länger hinnehmen möchte, dass dieser Kollaps zu lasten sinnvoller Alternativen auch noch subventioniert wird. Die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und der Mobilität mittels Fahrrad oder im Falle von New York Skateboard wird hier mehr oder weniger regelmäßig und provokant in Erinnerung gerufen. Dass diese Bewegung aus den Staaten, die in vielen Städten mit ausgesprochen mäßigen Angeboten zum öffentlichen Nahverkehr aufgestellt sind, nach Deutschland schwappt spricht Bände.

Was mir, hier wie dort, jedoch ausgesprochen zu denken gibt sind die Reaktionen auf diese Demonstrationen. Wieso muss die New Yorker Polizei hier überhaupt Leute fangen und ihnen das Führungszeugnis verhageln? In Vancouver gab es immerhin ein nicht eingestandenes Arrangement, diese Form der bewusst nicht angemeldeten Demonstration zumindest als Meinungsäußerung zu tolerieren. Entsprechend wurde der Zug von Streifenwagen abgesichert, wie das auch bei anderen Demonstrationen hierzulande der Fall ist.

Wirklich zu denken gaben mir dort die Reaktionen der Autofahrer, die scheinbar kein größeres Problem damit hatten kleine Kinder auf Rädchen nieder zu walzen, wenn der Demonstrationszug nicht ihrer Meinung entsprach und die tatsächlich nur durch Einschreiten der Polizei von Schlimmerem abgehalten werden konnte. Die Aggressivität die sich hier gegen Radfahrer entlädt, welche letztendlich nur dafür eintreten auch mal einen Radweg zu bauen oder mal den Bus zu nehmen, hätte ich mir, wenn ich nicht dabei gewesen wäre, nicht vorstellen können.

Insofern – selbst wenn es nur lustig gemeint ist – finde ich die Tatsache, dass die Themen in Social Media transportiert werden, ausgesprochen ermutigend.

kyp.f.

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