Zankapfel Windenergie

Unlängst habe ich hier in der Nähe folgende Highlight aufgeschnappt: “Mich kotzt es an wenn, ich Nachts aufs Klo gehe, aus dem Fenster schaue und überall blinkt es rot.”

Aha – Die Energiewende darf nicht mal blinken. Ich persönlich finde das blinken schön – fehlt noch eine App mit der man Lauftexte auf die Windräder schicken kann 😉 Spaß bei Seite: Ich sehe das viel lieber als die Dampfsäule eines AKW Kühlturms oder das Rad eines Schaufelbaggers, der in drei Jahren dann mein Dorf weg baggert. Ich weiß nicht mehr ob mir was derartiges raus gerutscht ist, oder ob ich so perplex war, dass ich einfach mal meine Klappe gehalten habe.

Zweifellos gibt das Statement aber die Großwetterlage hier in der Region wieder. Die Stimmung kippt. Es gibt Fernsehreportagen die dokumentieren wie schlimm die “Verspargelung” des Hunsrück ist. Gruppen werden in Busladungen hier her gefahren – je nach Organisator – um zu demonstrieren wie furchtbar Windenergie on-shore ist oder wie toll das für die Gemeinden ist.

In Sozialen Netzwerken und der lokalen Presse wird gegen die Geld- geilen Lokalpolitiker gehetzt, als wären die Ausbaupläne nicht lange bekannt.  Die genehmigten 400 Windräder …

Continue reading

Heimat: Die andere Heimat

Jetzt können wir, meine Angetraute und ich, auch mit reden: Wir waren endlich in “Die andere Heimat“. Man könnte meinen, bei einem Film der offiziell erst vorgestern angelaufen ist, ist ein Adverb wie “endlich” fehl am Platz. Weit gefehlt, denn kaum ein Ereignis hat die Region hier in letzter Zeit so aufgemischt wie der Premieren-Rummel letztes Wochenende, dem auch wir uns nicht gänzlich entziehen konnten. Just heute wird in Morbach, in Edgar Reitz Elternhaus das Cafe Heimat eröffnet, in welchem der geneigte Fan in Zukunft alles Mögliche rund um die filmische Heimat durchstöbern kann, so auch Requisiten, original Drehbücher und die gängige “Sekundärliteratur”.

Wann kommen schon einmal weltbekannte Film- Größen und die einschlägige Presse in so großer Zahl nach Simmern? Die in der Presse kolportierte Zahl von 100 Millionen Zuschauern, die Edgar Reitz mit seinem Epos erreicht hat, spricht an dieser Stelle für sich – wobei mich hier auch die Zählweise interessieren würde 😉

Neben dem Rummel leistet dieser Film einmal mehr ganz Erstaunliches und daher mein dringendes Bedürfnis darüber zu bloggen:

Continue reading

Tourtipp: Keltischer Ringwall in Otzenhausen

Meine Angetraute kam auf Grund einschlägiger Berichterstattung auf SPON mit der Idee, den Hunnenring genannten keltischen Ringwall in Otzenhausen zu besuchen. Diesen habe ich seit meinem zwölften Lebensjahr immer wieder gerne besucht und da man sich die Anlage auch auf einem mehrere Kilometer langen Rundweg erwandern muss, kommt das unserer Freizeitgestaltung ohnehin entgegen.

Anfahrt geht eigentlich ganz gut über Hunsrück-Höhenstraße oder A1 und ab dem Waldparkplatz an der Primstalsperre geht es dann auf verschiedensten Rundwegen los und man kann den Archäologischen Rundweg genauso wie die Traumschleife Dollberg nehmen um die Gegend zu erkunden. So lassen sich die verschiedenen Wanderrouten auch um den Stausee zwischen vier und eigentlich zweiundzwanzig Kilometern gut kombinieren.

Nach einem mehr oder weniger gemächlichen Anstieg gibt es dann verschieden sportive Einstiege in die einstige Wehranlage.

k-hdr-hunnenring-06

Eingang des Ringwall am Steilaufstieg

Continue reading

Fidel und Flinte

Gestern Abend hatte ich einmal mehr das Vergnügen meine Freunde Jürgen und Andreas bei einem Auftritt mit ihrem Programm “Fidel und Flinte” zu genießen.

banner-fidel-und-flinteWir waren schon sehr früh einmal Gast der Geschichten rund um den Räuberhauptmann Schinderhannes – 2005 im Schinderhannesturm in Simmern und wie Flinte – Andreas meinte könnte das durchaus die Premiere gewesen sein.

Continue reading

Sightings: Buntspecht im Garten

Kurz bevor wir heute Nachmittag unseren Fleiß auf den heimischen Baustellen im Malepartus belohnen wollten, noch einmal der Blick aus dem Schlafzimmerfenster.

Direkt vor dem Fenster im Kirschbaum der junge Buntspecht. Ich habe schon einige Vögel auf dem Gelände gesichtet und auch immer brav bei der Stunde der Wintervögel des NABU mit gemacht, aber der Buntspecht ist neu:

 

Buntspecht im Kirschbaum

Buntspecht im Kirschbaum

Ehrbachklamm Reloaded

Gestern wieder einmal die Ehrbachklamm.

Dank dem anstrengenden letzten Wochenende diesmal etwas Entspanntes. Da die Traumschleife ja auch etwas tricky ist, in Sachen Höhenmeter und die Familie mit kleinen Kindern wandern wollte, diesmal eine Alternative:

Parken in Emmelshausen am ZAP und hinter den Supermärkten (REWE und Penny) in die Klamm einsteigen. Man startet fast an der Quelle des Ehrbach und läuft nahezu nur durch Wald; bei dem Wetter eine Wohltat.

Continue reading

Tourtipp: Klingelfloß

Schon vor ein paar Tagen sind wir das Klingelfloß gelaufen. Die Traumschleife hat den unschlagbaren Vorteil, dass sie sehr nahe vor unserer Haustüre liegt und mit 8 Kilometern und vernachlässigbarem Höhenprofil sich auch für einen ausgedehnten Spaziergang eignet.

klingelfloss02-k

Zum Einsteigen gibt es zwei Möglichkeiten, zum einen der Parkplatz bei der Gesellschaftsmühle zwischen Laubach und Alterkülz, zum anderen kann man gleich am Hotel Birkenhof parken und dort auch im Anschluss an den Rundgang einkehren, den Durst stillen oder auch gleich ordentlich dinnieren.

klingelfloss01-k

Der größte Anteil der Schleife geht durch den Wald und nur Feldstreifen hinter dem Birkenhof ist offenes Gelände, ca. ein Kilometer am Waldrand entlang und an einer Jagdhütte oberhalb Klosters vorbei hin zum Kondbach- Lauf. Die Weiher- Anlage des ehemaligen Klosters wurde unlängst aufgehübscht und ist derzeit ein wunderschönes Biotop, auch mit Rast- Möglichkeit und der Gelegenheit ein bisschen Natur zu beobachten.

Continue reading

(Tor)Tourtipp: Murscher Eselsche

Heute war wieder Wandern angesagt. Aus gegebenem Anlass bereiten wir uns etwas auf den Urlaub vor. Das Murscher Eselsche kam mit seinen 10,8 Kilometern und 388 Metern Ab- bzw. Aufstieg da gerade recht.

Zu Denken hätte einem geben können, dass das Thermometer schon morgens um 9 Hunsrück- unübliche 29,5 Grad auf der Uhr hatte aber dazu später mehr. Wir fuhren also nach Morshausen um gemütlich über die Hunsrückhöhen Richtung Mosel schauend den Abstieg an zu gehen. Über den alten Grubenpfad an der Grube Theresia vorbei, ins Baybachtal. Dort liegt beim Hotel Forellenzucht ein weiterer möglicher Einstieg, der sich aus konditionellen Gründen gegebenenfalls anbietet. Nach knapp 4,5 Kilometern bietet sich hier auch die Gelegenheit zur Einkehr, kurz vor der Halbzeit.

Weiter geht es das Baybachtal hinauf, vorbei am alten Zechenhaus und der sehenswerten Franzenmühle bis zum “Pferdskimbel”. Unterwegs gibt es ein paar mal Gelegenheit auch direkt am Bachlauf zu rasten und seltene Libellen zu beobachten, von Jungfröschen und Eidechsen ganz abgesehen.

dragonflybanner

 

Ein Highlight: Calopteryx Virgo.

 

Continue reading

Energiewende

Eingedenk der Tatsache, dass dies hier und heute nur ein Anriss sein kann:

Die Energiewende erfreut sich im politischen Diskurs ja gesteigerter Beliebtheit, dient sie doch hervorragend dazu Weitsicht, Umweltbewusstsein und verantwortlichen Umgang mit unserem Generationen-Erbe zu dokumentieren.

Was bedeutet das?

Im großen politischen Maßstab will ich mir dazu hier gar keine Meinung erlauben. Jedoch bin ich, wenn man einschlägige Recherchen im Internet her nimmt einer derjenigen die ziemlich direkt betroffen sind, gilt doch der Rhein-Hunsrück-Kreis in welchem mein Lebensmittelpunkt liegt, als drastischstes Beispiel der Verspargelung unserer Welt jenseits der Nordseeküste. Der Wind Park Kirchberg mit 53 MW Installierter Maximalleistung liegt vis a vis und gilt als größter seiner Art zwischen Alpenkamm und Waterkant. So weit so gut.

Nachdem die Landesregierung beschlossen hat Windenergie nur noch dort zu fördern, ja zu erlauben, wo ein wirtschaftlich vertretbarer Windertrag zu erwarten ist – 6 m/s im Jahresmittel auf 80 Meter Nabenhöhe ist die Referenz des Bundesverbandes Windenergie und darauf sind auch Windertragskarten des deutschen Wetterdienstes gerechnet – liegt der Hunsrück mittlerweile ganz vorne. Tatsächlich spricht die Windertragskarte des DWD Bände und es gibt wenige Landschaften in Deutschland die sich in gleicher Weise zur Windenergie-Erzeugung eignen.

Das Resultat sind ca. 400 genehmigungsfähige Standorte für große Windräder in unserem Landkreis. Deren Nennleistung bewegt sich zwischen 2,5 und 7,5 Megawatt. Nimmt man im Schnitt 300 MW an gibt das 1,2 GW im Peak, durchaus die Leistung eines zeitgemäßen Reaktorblocks. Eine Anbindung der Kapazität rechnet sich also genau so gut oder schlecht wie diejenige eines AKW?

So viel zu den Zahlen.

Was bedeutet das? Es bedeutet dass sich auf fast jeder Hügelkuppe eine Hand voll Rotoren drehen. Hinter meinem Haus 3 nach dem letzten Umbau, vor meinem Haus 23, und so geht es weiter von Gemeinde zu Gemeinde. Die Kreisverwaltung hat die Bundestrasse B50 jenseits Ellern als Demarkationslinie definiert um der Region den Charakterstiftenden Soonwald als natürliches Refugium zu erhalten und auch nicht jeden Quadratmeter mit den Spargeln zu zu pflastern. Es ist die Rede von Naturlandschaften, dem noch immer möglichen Plan einen Nationalpark einzurichten und vielem mehr.

Man kann Windräder schön finden oder hässlich, eine Naturlandschaft ist der Hunsrück nicht mehr seit die Römer die Axt angelegt haben. Es ist sicher ein ländlicher geprägter Raum mit entsprechenden Biotopen und auch vielen Rückzugsmöglichkeiten für gestresste Zeitgenossen. Zerstöre ich also eine Naturlandschaft ? Nein ! Dagegen habe ich klare Grenzen für den Ausbau definiert … Ich der Landkreis … und ich als Person finde diese akzeptabel und gut. Ich schaue lieber auf sich langsam drehende Rotoren als auf die Dampfsäule eines AKW. Die Lärmbelastung die viele Menschen anführen kann ich nicht nach vollziehen und das obwohl mein Schlafzimmerfenster keine 400 Meter Luftlinie vom nächstgelegenen Propeller entfernt ist. Große Windanlagen stehen ohnehin nicht ganz nahe an Ortschaften. Lauter sind kleinere Anlagen, die jedoch hier nicht vorkommen. Wer anderes behauptet, dem empfehle ich einen Besuch an der Nordseeküste.

Speziell dies ist ein Beispiel, wie undifferenziert Argumente in der dann doch aufkeimenden Diskussion übernommen werden.

Das die Veränderung der Landschaft reversibel ist, zeigt der Rückbau der ersten in die Jahre gekommene Windräder der ersten Generation. Das kann weder Braunkohle noch ein AKW von sich behaupten. Vielleicht sollte man die Kosten welche Asse produziert ehrlicherweise in den Atomstrom ein rechnen und auch Rückstellung für eine tragfähige zukünftige Entsorgung der strahlenden Altlasten. Solange dies aus Steuergeldern gestemmt wird, ist diese Diskussion doch verschleiert.

Spannender wird die Betrachtung der Konsequenzen in zweiter Linie. Der Hunsrück war und ist eine der strukturschwächsten Regionen in Deutschland. Diese Bewertung behielt ihren Bestand auch lange nach der Wiedervereinigung, da viele amerikanische Stützpunkte im Zuge der Abrüstung ihre Pforten schlossen und Wirtschaftskraft entzogen. Eine Kompensation kam lange nur mäßig bis gar nicht in Gang. Die Ortskerne der kleinen Gemeinden verwaisten, junge, gut ausgebildete Fachkräfte zogen zunehmend aus der Region ab. Die Kassen waren bestenfalls leer.

Mit dem Ausbau der Windenergie fließen jetzt nach Hochrechnungen der Rhein-Zeitung geschätzte 8.5 Mio EUR jährlich an Pacht und Steuern in die Region. Jetzt wird es spannend. Kleine vom Verfall geprägte Dörfer können ihre Infrastruktur reparieren, ausgeglichene Haushalte erreichen, wieder Lebenswert werden und die Landflucht bremsen. Kindergartenplätze werden genauso möglich wie spezifische Sozialleistungen für alte Menschen, die das ländliche Leben mit sich bringt. Windenergie rettet diese Landschaft vor Ruin und Zerfall.

Um die ungleiche Verteilung der Mittel aus dem Kapitalzufluss und der Entscheidung den Naturraum Soonwald im Interesse von Landschaftsschutz und Tourismus unangetastet zu lassen wurde zwischen den Gemeinden im Landkreis ein Solidarvertrag ausgehandelt der eine Umlage aus den Gemeinden mit Windrädern auf die Gemeinden ohne Windräder ermöglicht. Man hatte das Gespenst Neid erkannt und wirksam adressiert.

32 Gemeinden mit Windrädern haben sich auf einen Vertrag geeinigt. 31 haben unterschrieben. 1 Gemeinde kommt jetzt darauf, auch wenn sie laut Äußerungen ihres Bürgermeisters auf Einschlägigen Veranstaltungen schon nicht mehr wissen wohin mit dem Geld, den mit ausgehandelten Vertrag nicht unterzeichnen zu wollen.

Was ist Solidarität wert, wenn nur die Schwachen solidarisch sind und die Stärksten schon wieder ausscheren wollen?

Grundsätzlich ist es doch eine gute Sache, wenn eine Region ihren Bestand und ihr Auskommen mit ökologisch verträglichen Mitteln sichern kann. Ich habe noch keinen Menschen kennen gelernt der auf die Anforderungen der Energie-Wende mit konsequentem Verzicht reagiert hat. Selbst Schwermetall- belastete Energiespaarlampen muss man mit fragwürdigen Gesetzen forcieren. Solange der Bedarf existiert wird auch eine Industrie gewinnorientiert Lösungen schaffen.

Windenergie erlaubt dem Gemeinwesen in bisher unbekanntem Maßstab an dieser Wertschöpfung zu partizipieren. Jeder der mit Egoismus, Neid, Geiz, Missgunst und dem festhalten an Menschen- verachtenden Energie-Monopolen dieser Entwicklung entgegen wirkt, sollte sich die Frage stellen, ob er in dieser Gesellschaft gut aufgehoben ist.

 

Ich persönlich habe beschlossen mich über den Anblick der Windräder zu freuen, statt ihn nur zu ertragen, sie sind die Zukunft der nächsten Generation – nicht nur der in diesen vier Wänden.

 

kyp. F.