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Ravercount

Schlimm ists. Und nun eine Woche her. Und noch immer schafft es keiner der moralisch politisch Verantwortlichen in Duisburg mal Tacheles zu reden. Wenn die Sonne scheint sind sie alle die Größten und in der ersten Reihe.

Geht die Pferdewette schief, heißt es verschleiern und verstecken.

Insofern begrüße ich sehr die Aktion Ravercount, bei der sich Raver registrieren können die bei der fraglichen Veranstaltung waren. Da gibts wenigstens mal eine belastbare Zahl in dem Augengewische. Schlechter als die öffentlich kommunizierten Werte der Veranstalter kann das auch nicht sein. Es geht hier lang:


Loveparade 2010 Duisburg Besucherzahlen
Loveparade 2010 Duisburg
Ich helfe mit die wahren Besucherzahlen zu ermitteln!

3 comments to Ravercount

  • Ich hoffe mal daß sich viele an der Aktion beteiligen. Sonst kommt hinterher raus, daß 21 Tote von 50 Besuchern verursacht wurden… ^^ Aber mal im Ernst, die Zahl kann man unmöglich als belastbar bezeichnen. Ich habe eben versehentlich den Besucher count um 1 erhöht, weil ich feststellen wollte, ob man sich mit persönlichen Daten registrieren muss. Da kommt dann eine Zahl X raus, die was genau aussagt?

    Aus meiner Sicht ist es sehr schade, daß das öffentliche Interesse nur der Jagd nach den Verantwortlichen gilt. Irgendwie muss ja einer schuld sein, wenn sich eine Riesenmasse an Menschen auf einem (wie auch immer angelegten) Gelände zusammenquetscht und dann was passiert.
    Vielleicht muß man auch mal die Stirn haben sich hinzustellen und den Kids erklären, daß ja, sowas nicht ganz ungefährlich ist, auch wenn es keine Tunnel gibt. Man begibt sich in Gefahr, es passiert was.. tja, und dann muß irgendwo einer sein, der schuld hat. Das ist doch bei einem Stadionbesuch auch nichts anderes.
    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich möchte nicht dem ausgestreckten moralischen Zeigefinger folgen..

  • Moin dani,

    IMHO liegt der Fall etwas anders. Es geht mir hier überhaupt nicht um Moral. Ich gebe dir insofern recht als dass Großveranstaltungen immer ein Risiko darstellen, das siehst du allein an den Erstversorgungsauflagen wenn du mal ein Zeltlager mit 5000 Jugendlichen genehmigen lassen willst. Aber beim Punkt Genehmigungen liegt der Hase im Pfeffer. Wenn hier nämlich unter Annahme völlig falscher, sprich einfach an den Haaren herbei gezogener Zahlen eine Genehmigung für ein völlig ungeeignetes Gelände erschlichen wurde, dann ist das einfach ein Straftatbestand.

    Die Zahl aus dem Web sagt IMHO noch immer mehr aus, als alle Unterlagen die zur Zeit zumindest laut Presse die Runde machen. Natürlich war das alles aus Marketinggründen übertrieben … hahaha … wenn ich so ne Ermittlung am Bein hätte wäre das auch mein erstes Statement. Und wenn sich rausstellt dass doch eine realistische Annahme vorlag, dann bedeutet das, dass die Genehmigung mit nur einem Drittel der Fluchtwege vielleicht auch grob fahrlässig.

    Jeder Pommesbuden- Besitzer muss nachweisen, dass er mit seinem Altöl keinem Fisch was tut. Und dann sowas? Wir leben in Deutschland, dem Land der Überregulierung. Da gibt’s doch keine ungeregelte Großveranstaltung mit erwarteten Millionen von Besuchern. Da verlässt du dich doch auch im Straßenverkehr und beim Schwimmbad- Besuch drauf und da kann auch was passieren und wehe es hat sich wer nicht an die Bestimmungen gehalten oder Genehmigungen erschlichen.

    Gerade weil so viel passieren kann, denke ich haben die Besucher ein Recht darauf dass Veranstalter und Genehmigungsbehörde ihren Job richtig machen. Und wenn beide dieser Verantwortung aus welch Gründen auch immer (Geld, Ruhm, Publicity) nicht nach kommen, dann ist das in meinen Augen auf jeden Fall eine Sache für den Richter. Mindestens der Veranstalter übernimmt die Verantwortung aus Profitinteresse, damit übernimmt er auch Haftung. Den Zusammenhang sehe ich ohne jede Implikation von Moral.

    Die Moral- Diskussion die kommt denke ich nachdem die faktenorientierte strafrechtliche Bewertung abgeschlossen ist, hoffentlich unabhängig davon. Und über Moral will ich nicht bloggen :)

  • Könnte man nicht ein paar 1-Euro Jobber anstellen, die auf den Luftbildern die Köpfe zählen? ;-) Das würde doch sicherlich halbwegs realistische Zahlen ergeben (falls Akkumulator vorhanden)

    Was die Regulierung angeht hast du natürlich Recht: Wenn ich als Veranstalter sowas genehmigt bekomme (unter Angabe korrekter Daten? Unter fachlicher Prüfung durch die Behörde??) sollte davon ausgegangen werden, daß Risiken für die Besucher zumindest minimiert sind.

    Was ich mit Moral meine: Sicherlich ist es richtig, daß hier irgendwo auch ein Verantwortlicher ausfindig gemacht werden soll. Aber wer auch immer das nun ist, die Polizei, Herr Schaller, der OB, oder vielleicht doch Angela Merkel, ich behaupte mal eine Restschuld (eigene Gefahr!) trägt auch der Besucher einer derartigen Veranstaltung. Damit wollte ich natürlich *nicht* zum Ausdruck bringen, daß das was passiert ist alles so durchgehen darf.

    :)

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