Fundstück: Toleranz

Gerade im social- Internet wieder mit einem schwunghaft weiter verteilten und vielfach geliktem Statement konfrontiert worden:

TOLERANZ bedeutet, viele verschiedene Sichtweisen zu akzeptieren und Menschen für das zu lieben, was sie sind. Wenn du bereit bist, tolerant zu sein, machst du dich auf in ein enormes Abenteuer. Jede einzelne Person hat eine einzigartige Art und Weise, die Welt zu betrachten. Wenn wir es schaffen bei jedem, der uns begegnet, das einzigartige, offene, freie und …

liebevolle zu entdecken, werden wir für uns selbst neue Wege entdecken, die uns einzigartiger, offener, freier und liebevoller machen. Es ist faszinierend zu entdecken, wie andere die Welt sehen. Wenn wir uns anderen Sichtweisen öffnen, werden wir selbst weicher und weniger streng zu uns selbst.

~orin

Ich war versucht – aus vorangegangenem Kontext im entsprechenden Personenkreis – folgenden Kommentar zu schreiben:

Es fällt mir schwer Typen aufrichtig zu lieben, die es für legitim, ja geradezu ihre Pflicht halten meine Frau zu vergewaltigen und meine Kinder zu ermorden nur weil ich nicht ihre religiösen Ansichten teile – Ansichten, welche die gleichen Handlungsweisen von mir erwarten. Herrschaften die der Meinung sind, dass genau dies notwendig ist, weil ihr allmächtiger Gott nicht in der Lage zu sein scheint, sich alleine um seine Ehre zu kümmern. Ebendiesem Gott und allen anderen Göttern, allmächtig und nicht ganz so allmächtig, sei Dank: die allerallermeisten von denen sind weit weg.

Die müssen schon damit zurecht kommen, dass sie mir bestenfalls egal sind.

Toleranz kommt von lateinisch tolero : erdulden, erleiden, aushalten. Wieso ich unter anderen Sichtweisen leiden muss, und meine Sichtweise in dem Moment unwichtiger sein muss, als die aller anderen, das habe ich noch nicht verstanden.

Ich hab’s dann in letzter Konsequenz bleiben lassen, weil die Shitstorms, die sowas “selbstgemachter Erfahrung”-sgemäß nach sich zieht, meine Toleranz ebenfalls stark auf die Probe stellen und sich irgendwie heraus stellt, dass Menschen, die eben noch Toleranz und Liebe geliked haben, gar nicht so tolerant und liebend sind, wie sie das social Media konform von dem Rest der Menschheit einfordern.

Die Konfrontation mit der Diskrepanz zwischen öffentlichem Auftritt und gefühltem Selbstbild, macht den Dialog meistens nicht einfacher.

Kyp.F.

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