Kehrseite der Medaille: “Unternehmens- IT vor dem Aus?”

Fundstück der Woche – ein Artikel bei Datacenter Insider “Unternehemns-IT vor dem Aus?“, auf den mich ein Aufmerksamer Leser meines IT Management Posts vor zwei Wochen aufmerksam gemacht hat. Grundsätzlich bin ich bei Hersteller- nahen Artikeln und Studien immer etwas skeptisch; diese haben oft eine “Emphasis” die mit “Betonung” finde ich nur unzureichend übersetzt wird.

Sei es drum. Die grundsätzliche Message steht natürlich im Raum: Das Business, die Geschäftsführung, das General Management fühlen sich nicht abgeholt. Entweder schafft es die interne IT nicht Innovation, Strategie und Strahlkraft zu entwickeln oder aber sie verstehen die Anforderungen des neudeutsch “Business” nicht. So oder so, sie liefern keinen zeitgemäßen IT-Service und berauben sich somit ihrer Existenzgrundlage.

Der freundliche Outsourcing- Provider um die Ecke kennt solche Themen nicht. Er verpackt in Hochglanz seine “Business- Drivers” und überfährt die Unternehmens-IT mit Schwung von hinten. Nicht dass das die Lösung der Probleme wäre. Organisatorische Ankopplung, Vermeidung von Überprovisionierung, gerne ignorierte rechtliche Hürden, präzise Leistungsbeschreibung, Anbindung und Schnittstellen wollen alle erst einmal verstanden und einwandfrei gelöst werden. Erfahrungsgemäß ist die Cloud dann nicht mehr billiger, aber dann ist die Tinte ja trocken und die interne IT abgeschafft.

Um dies zu vermeiden, ist aktives IT-Management der Unternehmens-IT keine Kür sondern Pflicht. Service- Orientierung, Innovation und Strahlkraft sind zwingend notwendig um auch nicht IT affinen Kollegen im Management Sinn und Unsinn vermitteln zu können. Der Rest des Unternehmens muss verstehen was die IT macht und muss dies für sinnvoll und hilfreich erachten – die IT muss einen Plan haben. Eigenmarketing ist das Gebot der Stunde. Die Orientierung an externen Service Providern ist dabei nicht der schlechteste Ansatz.

Umgekehrt ist es unabdingbar für die IT das Geschäftsfeld der Firma nicht nur oberflächlich zu verstehen sondern mit allen Sorgen und Nöten in beliebiger Tiefe. Ich rede nicht zwangsläufig davon, dass die IT die Anwendungs- Verantwortlichen ersetzen soll. Vermutlich ist es ein Evolutionärer Prozess, dass die Anwendungs- Verantwortung nur all zu oft in den Händen der Fachabteilungen liegt. Die konstruktive Auseinandersetzung zwischen Unternehmens-IT und Fachabteilung sollte aber einem Vier- Augen- Prinzip gemäß zur Folge haben, die tatsächliche Qualität der Fachanwendung zu steigern.

In dem Zusammenhang gibt es tatsächlich häufig den Fall, dass Unternehmens-IT den Standpunkt vertritt, dass “die” schon sagen müssen was sie wollen – wobei verkannt wird, dass “die” genau das gar nicht können. “Die” haben nämlich von IT so wenig Ahnung wie die IT-Mitarbeiter von irgendeiner anderen Fakultät im Unternehmen. Ich persönlich finde zum Beispiel Zerspanen total faszinierend, hab da aber weniger Ahnung davon als ein Mediamarkt- Besucher vom PC.

Umgekehrt muss natürlich die Fachabteilung auch das Vertrauen in die Unternehmens-IT gewinnen um diese in ihre Anwendungs- relevanten Prozesse ein zu binden. Auswahl von Anwendungen, deren Dimensionierung oder architektonische Gestaltung, die Auswahl von Dienstleistern – nur um ein Paar Ansatzpunkte zu nennen, sind Prozessschritte, in welchen IT Mitarbeiter durchaus Mehrwerte liefern können. Die Unternehmens- IT hat eben nicht die prozessuale Sicht des Nutzen der Anwendung im Focus, sondern den Betrieb bzw. die Infrastruktur- Anforderungen und all die Voraussetzungen bzw. Konsequenzen, die eine erfolgreiche Bereitstellung mit sich bringen. Zwei völlig unterschiedliche Perspektiven, die aber für den Unternehmenserfolg zwingend zusammen gebracht werden müssen. Allerdings bedeutet das, den Bedarf der Fachabteilung auch zu kennen und mehr oder weniger vorbehaltlos zu akzeptieren. Das Fehlen genau dieser Kenntnis / Akzeptanz wird in der o.g. Studie als “fehlendes Business Alignment” völlig zurecht kritisiert.

Mein ständig wiederkehrender Kritikpunkt an unreflektierten Outsourcing- Vorhaben ist, dass die Perspektive des Dienstleisters immer die der Fachabteilung ist und der operative Gegenpol im Interesse des Unternehmens fehlt. Das ist ein Zielkonflikt, da der Dienstleister natürlich verkaufen möchte und der Abnehmer ist eben die Fachabteilung. De Facto wären die in oben zitiertem Artikel genannten CEOs gut beraten tatsächlich eben nicht nur auf die externen Anbieter zu hören, denn das ebenfalls zitierte Urteilsvermögen ist dabei eben oft nicht zwangsläufig richtig justiert. Das setzt aber voraus dass die Unternehmens-IT eben auch einen guten Dienst liefert.

Fazit ist, ich teile das kolportierte Ergebnis der Studie “Die Unternehmens- IT ist tot!” keinesfalls. Im Gegenteil, mit modernen Methoden hat die Unternehmens-IT heute mehr denn je die Möglichkeit agil und lebendig zu sein, trotz hinlänglich bekannter Hürden. Allerdings gebe ich zu, dass es nicht unbedingt in der breiten Masse der Unternehmens-IT Abteilungen angekommen ist, wie sich die Welt um sie herum verändert. Dadurch werden notwendige Anpassungen gerne bis häufig leider unterlassen. Wenn dann der Outsourcer ein attraktives Angebot machen kann, hat man in vielen Fällen das Grab selbst geschaufelt. Andererseits gibt es durchaus bei großen Unternehmen wieder einen Trend zum Insourcing, da sich hier durchaus gezeigt hat, wie schwer erfolgreiches Outsourcing tatsächlich ist. Beispiele hierzu wären der Daimler-Konzern, BMW oder diverse Banken. Googeln nach Insourcing lohnt sich, oder rundfragen bei Bekannten in einschlägigen Projektumfeldern. Andererseits hält die Branchen- Presse entsprechend dagegen, da es natürlich nicht in ihrem Interesse ist diesem Trend auch noch Rückenwind zu verschaffen.

Wie dem auch sei, ich kann eigentlich nur einige wesentliche Punkte für den geneigten IT-Mitarbeiter empfehlen:

  • Eigen- Marketing innerhalb und außerhalb der Firma. Tue Gutes und sprich darüber!
  • IT Trends verfolgen und auf Anwendbarkeit prüfen.
  • Leistungs- Indikatoren zumindest zur Selbstkontrolle definieren und bewerten.
  • Effizienz- Potentiale ermitteln und heben.
  • Die interne IT- Leistung als Dienst/Service beschreiben und bewerten.
  • Fachabteilungen nicht mit technischen Details belasten.
  • Externe Dienstleister als Benchmark setzen.
  • Die IT- Abteilung wettbewerbsfähig organisieren.
  • Neue IT- Services ausarbeiten und anbieten.
  • Aktiv auf Fachabteilungen zu gehen und Bedarfe ermitteln.
  • Einbindung in IT- relevante Projekte in Fachabteilungen einfordern.
  • Entwicklung einer IT- Strategie.

Die IT- Strategie ist tatsächlich daher abgesetzt, weil sie in letzter Konsequenz die Summe der vorherigen Punkte ist; sein muss. Und das ist so leider nach wie vor, nicht selbstverständlich. Unternehmens- IT wie in der EMC- Studie kritisiert ist leider all zu oft noch sehr technologisch geprägt und im besten Falle operativ angereichert. Das ist jedoch heute meist nur noch die halbe Miete. Meiner Meinung nach gehören dazu tatsächlich weitere Aspekte wie ein Service Modell, ein Leitbild und die Business- Relevanz im Unternehmen, dann wird aus einer IT- Strategie in Richtung Fachabteilung und Management.

Kyp. F.

 

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