Von Jucing, Gesundheit, Abnehmen und Kompletter Umgestaltung meines Persönlichen Lebens

Heute mal wieder etwas ausgesprochen persönliches, auch aus aktuellem Anlass. Warum ich das Teilen möchte folgt vermutlich eher zum Schluss.

Jeder der mich persönlich kennt weiss, dass ich kein Spargeltartzan bin. So weit so gut. Menschen die das seit langem verfolgen, wissen auch, dass es lange Zeit mehr wurde und sich in den letzten drei Jahren unter dem “Peak” wie ich es nenne stabilisiert.

Dick sein ist erst mal nicht schön. Zum einen gibt es die Grenze, ab der es tatsächlich ungesund wird. Dass diese woanders liegt, als gemeinhin angenommen, ist seit 2012 zwar belegt, in vielen Köpfen jedoch nicht angekommen. Und dick sein ist gesellschaftlich nach wie vor nicht wirklich akzeptiert. Wo die Grenze zum zweifelos Ungesunden liegt, untersucht unter anderem Dr. Robert Lustig, dessen Arbeiten – zumindest in Buchform – in meiner Familie seit langem sehr viel Beachtung finden und der es durchaus auch in die Deutsche Presse geschafft hat. Sein Ted Talk von 2013 ist für mich nach wie vor ein Erweckungserlebnis und ein Denkanstoss, der bis heute nach hallt.

Die Konsequenzen daraus, sind ein ganz anderes Thema und darum geht es mir heute. Die Fixierung auf den BMI, mit dem man allenthalben im Fitnesstudio, bei der Versicherung oder in der Ernährungsberatung konfrontiert wird, geht dabei völlig am Ziel vorbei. Sowohl die Annahme dass eine Kalorie eine Kalorie ist, als auch das einfach mehr Sport machen hilft ist eine Komplette Fehlannahme.

Ebenso wird in eben jenem Kontext auch widerlegt, dass einfach den Verbrauch zu erhöhen nicht wirklich hilft, da dies zu einer steigenden Einlagerung von Kalorien zum decken gesteigerten Bedarfs führt. Alls diese Aussagen sind nicht unumstritten, jedoch sollte man sich nach Lektüre der eingangs verlinkten Metastudie fragen, wer in welcher Rolle welche Interessen verfolgt. Klar widerspricht das Ergebniss, dass industriell produzierte Nahrung ungesund ist, zahlreichen wirtschaftlichen Interessen und damit auch den Interessen zahlreicher Forscher, deren Forschung durch eben jene Interessengruppen finanziert wird.

Alles in allem ist ja die Annahme nicht abwegig, dass processed food oder schlimmer noch, Industrizucker, neuerdings auch Gluckosesyrup, hochverdichtete Energieträger sind, die mit der evolutionsmäßig verankerten Ernährungssituation wenig gemeinsam haben und nicht ohne Grund im Verdacht stehen zahlreiche Zivilisationskrankheiten  dann doch Adipositas, Diabetes, Arthritis uvm. zu verursachen.

Was ganz langsam zu meiner Situation überleitet. Die Sprüche wie “Da muss man mal eine Diät machen!” oder “Da muss man sich einfach mehr bewegen!” oder ähnlich gut gemeinte Ratschläge, kann ich nicht mehr hören. IMHO kann die sich auch jeder an den Hut stecken, ob privat oder auf der Straße oder im Fitnesstudio. Selbst wenn in letzterem jemand Ahnung hat, man gutgläubig unterschreibt, kommt dann doch irgendwann die Aushilfstrainerhausfrau um die Ecke und verdirbt einem jede Freude an dieser Form der Bewegung. Und das erstere Thema … ich weiss nicht wie viele Diäten ich gemacht habe, aber mit Ende jeder Diät – und nicht alle waren gesund – kamen dann doch wieder drei Kilo mehr auf die Waage als vor der Diät.

Dann kam der Warnschuss: Ein Gichtanfall! Anfang 40. ToiToiToi, trotz wie sich herausstellte genetischer Vorbelastung, bis heute der Einzige. Und tatsächlich der Auslöser sich akut um massiv gesunde Ernährung zu bemühen. Viel Gemüse, wenig Fleisch, Null Alkohol, Null Zucker, Fast keine Teigwaren. … Ein Leben im Supermarkt, vor dem Regal die Tabelle der Inhaltsstoffe lesend, die Gichtfiebel aufgeschlagen mt viel Zeit in der Küche … You name it. Danach viel Zeit in der Küche, alles selbst gemacht und gesund gegessen und zweifellos war dies Phase sehr gesund. Allerdings waren auch viele Dinge tabu, die anderweitig als gesund gesehen werden, die eine gesunde Ernährung abwechslungsreich und auf lange Sicht genießbar machen. Die Regeln waren so streng, dass auch diese gesunde Ernährung bald einseitig und anstrengend wurde.

Das erste mal nach dem Peak  auf die Waage – einige Wochen in der Umstellung drin – und ich war beio 132kg. Ich will gar nicht wissen bei wie viel ich war, es war mehr. Und durchgehalten habe ich das Thema bis ca. 119kg.

Allerdings zu welchem Preis. Bei jedem Familienfest kriegt man doch wieder ein Bier oder einen Wein angeboten. Man könnte einfach mal unkompliziert mit den Kollegen in die Kantine essen gehen und muss verzichten. Wenn man Glück hat kann man beim Restaurantbesuch mit Freunden doch zwischen zwei Gerichten wählen, welche die Anforderungen des strengen Diätplans erfüllen. Alles in allem habe ich das etwa zwei Jahre durchgehalten. Alle die vorher mit ihren schlauen Sprüchen gemeint haben, einen zu ermutigen und das Gegenteil bewirkt haben, genau diese Menschen legen einem im täglichen Leben jeden nur erdenklichen Stein in den Weg hier etwas zu ändern. Und irgendwann ist man gar. Man will dann doch einen Keks. Oder ein Feierabendbier.

Ernährungspsychologie wirkt. Sie wirkt allen Orten und immer. Googelt man danach, wird man bombadiert mit Gesundheitsgetriebenen Diskussionen. Jedoch hat David  Kessler unter anderen nachgewiesen wie die Nahrungsmittelindustrie sich genau diese pschologischen Erkenntnisse zu Nutze macht um uns gewinnbringend Tag ein, Tag aus mit Werbebotschaften zu bombardieren, die uns dazu bringen Dinge zu konsumieren, die wir aus objektiven Gesichtspunkten rund um unsere Gesundheit meiden sollten, wie der Teufel das Weihwasser.

Der fehlernärte Mensch, durch partielle Ausgrenzung am Rande der Gesellschaft, zumindest teilweis unter unkonstruktivem Druck aus seinem persönlichen Umfeld, wird also noch medial 18*7 mit profitorientierten unterschwelligen Nachrichten bombardiert sobald er das Haus verlässt oder ansatzweise Medien konsumiert. Na Danke.

All dieser Zusammenhänge muss man sich bewusst sein, wenn man wirklich etwas ändern möchte! Ich denke diesen Gedankengang für mich seit geraumer Zeit weiter und bin zu dem Schluss gekommen, dass das einzige was wirklich hilft, nicht die fundamentale Umstellung des täglichen Lebenswandels sein kann. Ich habe noch niemand getroffen der wirklich von sich behaupten kann, erfolgreich alle fundamentalen Parameter seines täglichen Lebens und aller sozialen und gesellschaftlichen Aspekte umgekrempelt zu haben. Es mag solche Menschen geben, jedoch entzieht sich das meiner Kenntnis.

Für mich denke ich kann es nicht funktionieren. Ich kann verzichten. Auf Schokolade, auf Chips, auf Alkohol – aber auf alles ? Für immer ? Ich mag diese Dinge gerne. Vielleicht kann ich auf eines für immer verzichten, und auf alles oft und im Normalfall, aber es kommt der Tag an dem es eben doch ein Teil der Lebensqualität ist sich hier zu belohnen.

Ich brauche also eine Lösung, die sich ohne alle Prinzipien meines Lebens auf den Kopf zu stellen, dauerhaft, für immer in meinen Alttag integrieren lässt und “meistens gesund kochen und essen” funktioniert nicht in ausreichendem Maaße – das geht schon bei der familiären Diskussion rund um Milchprodukte und die Menge der selben los.

In diese Kerbe schlägt nun Joe Cross. Ein Mensch der viel Erfolg hatte, im Hamsterrad war, beruflichen Stress gelebt hat und nach allen unseren Maßstäben eher erfolgreich. Auch er hat seinen Warnschuss gekriegt und für sich beschlossen etwas ändern zu müssen. Dokumentiert hat er das ganze in seinem Film Fat, Sick and Nearly Dead, den ich vor ein paar Wochen gesehen habe. Juicing … Warum eigentlich nicht. Joe hat für sich (und mittlerweile eben andere) die Idee des Reboot entwickelt. Er wäre nicht der Geschäftsmann der er ist, wenn er nicht auch die Welle reiten würde. So gibt es doch mittlerweile einige Literatur von ihm und er hat seine Selbsterfahrung in seine Saftkur umgemünzt.

Besonders beeindruckend fand ich im Film die Tatsache, dass bei Joe zahlreiche vermeintlich chronische Erkrankungen so weit zurück gedrängt wurden, dass sie nicht mehr nachgewiesen werden konnten. Eine Efahrung die ich mit meinem Bewegungsapparat schon diesen Sommer teilen durfte.

Andererseits ist es genau das was, mir gefällt – gelegentlich etwas mehr und dann auch wieder mit normaler Flamme weiter das tägliche Leben. Jeder der einmal eine Heilfastenkur gemacht hat weiss, dass dies überhaupt kein Spaß ist und nach ein paar Tagen allein ein Wort – sagen wir mal Salamibrötchen – psychich eine Megatonne Sprengkraft entwickelt. Kann man mal machen. Hab ich auch mal gemacht. Muss man aber besser nicht übertreiben. Tatsächlich waren meine Erfahrungen mit Intervallfasten gar nicht mal schlecht, wie es derzeit sehr populär durch die Medien getrieben wir. Aber auch das ist in wechselnden Alltagserfordernissen, wie sie bei mir spätestens der Beruf mit sich bringt, nicht wirklich hilfreich. Die starre Taktung kollidiert jede Woche mindestens zwei mal mit meinem bruflichen Alltag und macht es dann auch wieder schwer.

Was Juicing mir also bringt ist, die positiven Aspekte des Intervallfasten zurück zu holen, ohne den Zwang der Taktung. Eine Mahlzeit am Tag, oder auch manchmal erst den zweiten Tag, mit einem Gemüsesaft zu überbrücken, das geht tatsächlich ohne irgendein gesteigertes Maaß an Überwindung. Das ist sogar, wenn man sich einmal an frisch gepressten Gemüsesaft gewöhnt hat, durchaus lecker. Man vergibt sich nichts. Und es gibt Tage an denen nimmt man dafür zwei Saft- Mahlzeiten statt einer. Erst einmal völlig zwanglos.

Die ungesunden aber lieb gewonnen Angewohnheiten werden zurück gedrängt, aber ohne die Stressoren des “nicht Dürfens” oder “nicht Könnens”. Man macht dies auch nicht um so viel ab zu nehmen oder dies oder jene Diät durch zu ziehen, sondern weil man sich entscheidet öfter mal einen gesunden Gemüsesaft zu trinken. Der Bedarf nach einer zusätzlichen vollwertigen Mahlzeit verschwindet von allein ohne die wirklich fiesen Begleiterscheinungen (wahnsinnig machender Heisshunger nach etwas mehr als einer Woche) eines komplett von Balaststoff freien Verdauungssystems – wie beim Heilfasten. Und der Rythmus ist auch egal, im Unterschied zum Intervallfasten.

Tatsächlich verliere ich aktuell damit fast ein Kilo pro Woche, ohne mich irgendwie verbiegen zu müssen und ich habe zum ersten Mal in Jahren den Eindruck einen Weg gefunden zu haben, den ich wirklich auf unbestimmte Zeit verfolgen kann.

Gut, meine Lebensumstände auf dem Land untermauern das ganze auch noch ein bisschen. Der Bioapfel wird (zumindest jetzt und noch die nächsten paar Wochen) direkt vom Baum geholt, genauso wie die Quitte. Und auch ansonsten ist das Leben eher Gemüsenah sobald ich die Tür auf mache. Und ich will nicht schon wieder die ganze Ernte den Krähen überlassen. Das Entsaften geht dazu noch schnell und unkompliziert. Und die ersten positiven Wirkungen der Steigerung des Gemüseanteils der Ernährung, treten innerhalb kürzester Zeit ein: Mehr Energie, besseres Hautbild, Augenringe, Juckreiz … verschwindet.

Die Entscheidung einfach ein bisschen mehr für die eigene Gesundheit zu tun und eben sich nicht einem rigiden Regime in zu unterwerfen, das doch wieder vom Umfeld gechallangt wird, fällt erheblich leichter, wie ich schon nach wenigen Wochen empfinde. Insofern mal schauen was ich in zwei Jahren dazu poste und Go for Juice!

Kyp.F.

 

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